Geschichte

Der Große Brombachsee – das Zentrum des Fränkischen Seenlandes


Der Große Brombachsee ist ein künstlich geschaffener Stausee im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Bayern). Der See hat eine Fläche von max. 9,3 km² (je nach Einstauhöhe) und eine Uferlänge von ca. 17,5 km; die Maximaltiefe beträgt 32,5 m, wobei in Abhängigkeit von der Wasserabgabe Schwankungen bis zu 7 m auftreten können. Zusammen mit seinen beiden Vorsperren Kleiner Brombachsee und Igelsbachsee stellt der Große Brombachsee das Herz des Fränkischen Seenlandes dar; im Verbund mit Altmühlsee und Rothsee ist er zudem Teil eines wasserwirtschaftlichen Großprojektes, das innerhalb von fast 30 Jahren (Planungsbeginn 1971, P1040233 Small 150x150 GeschichteEinweihung 2000) verwirklicht wurde – die Überleitung von Altmühl- und Donauwasser in das Regnitz-Main-Gebiet über die europäische Hauptwasserscheide hinweg. Durch diese Baumaßnahme verwandelte sich der Landschaftscharakter der gesamten Gegend vollständig; aus einer eher land- und forstwirtschaftlich geprägten Region wurde eine Seenlandschaft mit großen Wasserflächen, Erholungsgebieten und Naturschutzzonen.

Wasserverteilung in Bayern war Hauptziel

Der Wasserhaushalt in Bayern ist im Hinblick auf Grundwasserangebot und -neubildung regional sehr unterschiedlich, wobei Südbayern deutlich im Vorteil ist. Aufgrund der gegenüber Nordbayern höheren Niederschläge und durch die Abflüsse aus den Alpenregionen ist das Gebiet südlich der Donau sehr wasserreich, die ausgedehnten Schotterflächen des Alpenvorlandes und der Donauebene bilden ein sehr gutes Speicherreservoir für Grundwasser. In weiten Teilen Frankens fallen dagegen deutlich weniger Niederschläge, die anstehenden Gesteinsformationen (Granite, Gneise, Kalksteine, Tone) weisen außerdem ein schlechteres Speichervermögen auf; Nordbayern verfügt deshalb nur über rund 30 % der gesamten bayerischen Wasserreserven bei einer relativ hohen Bevölkerungs- und Industriedichte v.a. in den Talräumen von Regnitz und Main. Dies führte in trockenen Sommermonaten zu Wasserknappheit bei der P1080623 Small 150x150 GeschichteBewässerung in der Landwirtschaft und infolge einer geringen Wasserführung der Flüsse zu einer extremen Verschlechterung der Wasserqualität, so dass eine Erhöhung des Niedrigwasserabflusses dringend notwendig war. Zur Verbesserung der wasserwirtschaftlichen Verhältnisse in Nordbayern lag es nahe, ein System für einen überregionalen Wasserausgleich zwischen Donau und Main aufzubauen. So entstand bereits in den 1960er Jahren die Idee, den Wassermangel in Franken durch eine Überleitung von Donauwasser in das Regnitz-Main-Gebiet zu beseitigen; als Wasserbedarf wurden rund 150 Millionen m³/Jahr angesetzt. Für dieses Vorhaben erschien der noch im Bau befindliche Main-Donau-Kanal aufgrund der Trassenführung quer durch Franken und der Anbindung an Main bzw. Donau als Transportweg ideal geeignet. Ein anderes hydrologisches Problem, das gleichzeitig gelöst werden sollte, waren die sommerlichen Hochwasserereignisse der Altmühl, die regelmäßig die Talauen überfluteten und die Landwirtschaft stark beeinträchtigten bis hin zum Ausfall der gesamten Ernte. Im Dezember 1965 entstand ein erster Entwurf der Brombachtalsperre mit der Überleitung von Wasser aus der Altmühl in das Brombachtal und über den Stausee weiter in die Rednitz; damit war die Hochwassergefahr im Altmühltal deutlich reduziert, und das überschüssige Wasser konnte in das trockene Regnitz-Gebiet eingespeist werden. Die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium erstellte im Mai 1970 nach den Vorarbeiten des damaligen Wasserwirtschaftsamtes Weißenburg die Gesamtstudie „Überleitung von Altmühl- und Donauwasser in das


Regnitz-Main-Gebiet“ als Vorlage für eine Entscheidung im Bayerischen Landtag; nach einem Antrag des Gunzenhausener Abgeordneten Ernst Lechner stimmte der Landtag am 16. Juli 1970 der Durchführung der Studie zu. Damit wurde die Bayerische Staatsregierung beauftragt, die erforderlichen Bauwerke gemäß dem vorgegebenen Zeitplan zu errichten und die finanziellen, organisatorischen und rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen; außerdem sollten die entstehenden Gewässer der Freizeitgestaltung der Bevölkerung dienen und ein freier Zugang zum Ufer für jedermann möglich sein. Dieser Landtagsbeschluss war sozusagen die Geburtsstunde des Fränkischen Seenlandes.

Die Umsetzung begann bereits 1971

P1050250 Small 150x150 GeschichteFür die Umsetzung des gesamten Projektes war das im Jahr 1971 gegründete Talsperren-Neubauamt Nürnberg zuständig, nach dem Abschluss aller erforderlichen Arbeiten wurde das Amt Ende 2000 wieder aufgelöst. Die Wasserüberleitung ist auf zwei voneinander unabhängige Systeme ausgelegt, wobei der Kanalüberleitung mit 125 Millionen m³/Jahr die Hauptaufgabe zufällt (Brombachüberleitung 25 Millionen m³/Jahr). An den Schleusen der Kanal-Südrampe (Kelheim, Riedenburg, Dietfurt, Berching, Bachhausen) wird mittels Pumpwerken Wasser in die Scheitelhaltung des Kanals gefördert und über eine Vorsperre in den Rothsee geleitet; von dort kann das Wasser bei Bedarf über die Roth an die Rednitz abgegeben werden. Da dieses System über Pumpen gesteuert werden kann, ist der Rothsee wesentlich kleiner dimensioniert als der Große Brombachsee; die Kanalüberleitung ging nach 8 Jahren Bauzeit 1994 in Betrieb. Für die Überleitung von Altmühlwasser waren neben den Stauseen und dem Ausbau der bestehenden Flussläufe noch andere Bauwerke notwendig. Ab Ornbau gelangt über den 5 km langen Altmühlzuleiter überschüssiges Wasser in den Altmühlsee, der aufgrund des flachen Geländes mit einem Ringdamm (12,5 km Länge) umgeben wurde; von dort fließt das Wasser durch den Altmühlüberleiter (8,7 km Länge, davon 2,7 km Stollen) in die Vorsperre Kleiner Brombachsee und wird dann an den Großen Brombachsee weitergegeben. Bei Niedrigwasser im Regnitz-Main-Gebiet erfolgt die Abgabe aus diesem System über Brombach, Rezat und Rednitz bis zum Main. Die Bauphase begann am 4. Juli 1974 mit dem Stollenbau des Überleiters, am 1. August 1986 wurden die Vorsperren Kleiner Brombachsee und Igelsbachsee sowie der Altmühlsee in Betrieb genommen; die offizielle Einweihung und somit Abschluss des Gesamtbauwerkes war am 20. Juli 2000, die Kosten betrugen für beide Systeme insgesamt rund 450 Millionen Euro. Weit vor dem eigentlichen Baubeginn wurden durch das Talsperren-Neubauamt ca. 2.800 ha Privatgrundstücke erworben; dies erforderte z.T. sehr zähe Verhandlungen, auch wenn die Akzeptanz der Bevölkerung für das Projekt recht groß war. Gründe dafür waren sicher die Einbindung der betroffenen Bürger von Beginn an und die Gewissheit, dass neben dem wasserwirtschaftlichen Nutzen auch Aspekte der Freizeit und des Naturschutzes berücksichtigt werden. Eine negative Auswirkung des Stausees war der Anstieg des Grundwasserspiegels, so dass in den angrenzenden Ortschaften Wasserschäden an Häusern zu verzeichnen waren; als Gegenmaßnahme wurden Drainagen und Tiefbrunnen zur Grundwasserabsenkung eingerichtet.

Der Brombachsee als Teil der Fränkischen Seenplatte

P1080155 Small 150x150 GeschichteSeit seinem Bestehen hat sich der Große Brombachsee und mit ihm das Fränkische Seenland zu einem überregionalen Ferienziel entwickelt. Das belegen die immer weiter ausgebauten, gut genutzten Freizeiteinrichtungen und die Durchführung großer Sportveranstaltungen, aber auch die Natur hat von der Baumaßnahme profitiert; bestes Beispiel ist die weithin bekannte Vogelinsel im Altmühlsee.